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Unser Projekt sollte in Verbindung mit einer Lebenswelt stehen, die vielen Menschen bekannt ist. Für die Verwirklichung des Projekts suchten wir eine Form, die den Leser – also den Benutzer der hier vorliegenden Seiten - zum Entdecker einer Szenerie werden lässt, die ihm bekannt ist. Durch die Mittel der Kunst erscheint diese Szenerie ihm jedoch verfremdet und ästhetisiert.
Die Möglichkeiten des Spiels schienen uns verlockend, nicht nur weil sie den Gebrauchs-wert der Seiten erhöhen, sondern weil das Spiel die Möglichkeit bietet, emotionale Komponeten des Alltagslebens, wie zum Beispiel Zeitknappheit und Ehrgeiz, aber auch Lust und Freude, auf sehr unkomplizierte Weise aufzugreifen.

Einen ganzen Monat lang trafen wir (Tobias Baur und Sandra Hoffmann) uns im heißen Sommer 2003 um 8:50 am Tübinger Hauptbahnhof, um das Geschehen kurz vor und kurz nach der Abfahrt des 9:02 Zuges nach Stuttgart zu verfolgen. Und wie vermutet: nicht nur die Abfahrt des Zuges und seine Verspätungen wiederholten sich, auch sonst wiederholte sich Vieles: Tauben bauten ihre Nester an Orten, an denen sie es nicht tun sollten. Die Nester wurden wieder abgeräumt, um am nächsten Tag von den Tauben wieder aufgebaut zu werden. Auch mit den Menschen war das ähnlich: unzählige immer wieder gleich ausschauende Abschiedsszenen haben wir verfolgt, sich balgende Schüler, Menschen mit dünnen Beinen trafen Menschen mit dicken Beinen, mit gepiercten Bäuchen, mit Sonnenhüten und ohne; den täglich wiederkehrenden Müllmann haben wir liebgewonnen, das Mädchen mit der Sonnenblume hat uns sehr leid getan, weil sie so traurig war, dass der nicht kam, der kommen sollte, aber auch sie war nicht die Einzige, der das geschah!
So haben wir nach und nach feststellen dürfen: alles wiederholt sich; jedoch noch viel stärker als wir es vermutet hatten!
Auf diese Weise entstand Gleis 59 – ein Bahnhofs-Merkspiel.